Lis Blunier

Lis Blunier wurde in Bern (Schweiz) geboren. Von 1986 bis 1989 studierte sie Bildhauerei an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn. Von 1990 bis 2019 lebte sie als freischaffende Künstlerin in Berlin. Sie entwickelte Kunstprojekte mit Kindern und Jugendlichen Berlin-Pankow, wo sie an der Jugendkunstschule unterrichtete. Seit Juli 2019 lebt sie wieder in der Schweiz, in Biel-Bienne. Sie arbeitet im Bereich multi media – Installation, Zeichnung, Collage, Foto, Objekt, Malerei und Naturdruck.

Ausstellung von Lis Blunier, Fotos

Aufenthalt

04.10. - 28.12.2023

Trouvailles - oggetti trovati - Fundstücke




Die beiden Künstlerinnen Lis Blunier und Mary Anne Imhof haben sich zu zweit für einen Aufenthalt in der Casa Atelier beworben und zusammen im Haus gearbeitet.

Lis Blunier wurde in Bern geboren. Sie studierte Bildhauerei an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn. Fast dreissig Jahre lebte sie als freischaffende Künstlerin in Berlin. Sie entwickelte Kunstprojekte mit Kindern und Jugendlichen in Berlin-Pankow, wo sie an der Jugendkunstschule unterrichtete. Seit 2019 lebt sie wieder in der Schweiz, in Biel. Sie arbeitet im Bereich Multimedia – Installation, Zeichnung, Collage, Foto, Objekt, Malerei und Naturdruck.

Gegenüber dem Naturdruck ist das Zeichnen mit Graphit auf Papier eine Technik, bei der weniger dem Zufall überlassen bleibt, es wird mehr gestaltet. Lis Blunier trägt den Graphit auf und verreibt ihn mit Wattestäbchen. In Bedigliora fand sie ein neues Motiv: den Wiesenbärenklau im verblühten Stadium. Sie liebt verblühende Pflanzen, auch Tulpen, bei denen die Blätter sich verformen. In Bedigliora hat sie sich noch mit anderen Pflanzen beschäftigt, Bergheideröschen, Akeleien, Flockenblumen. Das Unspektakuläre und das Kleine fasziniert sie besonders: Blütenstaub auf einem Blatt Papier, Samen, die nach der Blüte übrigbleiben. Sie bekommen ein Eigenleben, zeugen von Sinnlichkeit.

Sie beschäftigt sich eingehend mit der Pflanze, fotografiert sie, projiziert die Bilder, zeichnet die Blüte vielfach vergrössert, umgekehrt im Hochformat. Dabei wiederholen sich Grundformen auf immer andere Art. Die Künstlerin zeichnet jede Form einzeln. Sie identifiziert sich stark mit den Pflanzen, sieht Arme, Hütchen, eine ganze Geschichte darin. Ziel des mehrfachen Zeichnens ist es, immer freier zu werden. Mit der Zeit zählt die Bewegung mehr als das Motiv. Für Lis Blunier ist es wichtig, in Serien zu arbeiten. Was geschieht, wenn die Formen einander durchdringen, wenn zwei Blüten zusammengesetzt werden und so ein neues Gebilde entsteht? Wie wirken sie von Schwarz umschlossen, wie als minimalistisches Bild im Nebel, wenn die Formen nur noch angedeutet sind, aber doch noch Leben da ist? Die Bilder einer Serie steigern sich, bereichern sich gegenseitig. Es gibt einen Star, einen Anführer, doch es braucht auch ein Gleichgewicht.

Die aufwendigen, grossformatigen Zeichnungen lassen sich als Darstellung des Mikrokosmos, aber auch des Makrokosmos lesen, wie Fraktale, deren Plan sich im Kleinen wie auch im Grossen zeigt. So verbindet Lis Blunier in ihren Werken Feinarbeit mit Grosszügigkeit, Bewegung mit Emotion.

 

Ruth Gantert, Bedigliora 9.12.2023