teja van hoften

teja van hoften lebt in Holland. Nach der Ausbildung zur Werklehrerin wurde sie Keramikerin. Heute ist sie freischaffende Künstlerin. Sie schrieb ein Tagebuch ihres Aufenthalts in der Casa Atelier Bedigliora, alle tijd / Alle Zeit, mit Fotos ihrer Arbeiten. Das Buch ist in der Casa Atelier erhältlich.

Aufenthalt

22.08. - 05.09.2016

«Wenn doch die Sonne im Herbste…»

Nach ihrem ersten Atelier-Aufenthalt vom 1.9. bis 31.12. 2010 zeigte teja van hoften ihre Arbeiten am 18./19. Dezember 2010.

teja van hoften, o.T., Wolle, das grösste Objekt misst 185 x 25 cm

Einführung zur Ausstellung

teja van hoften kommt aus Holland. Von der Casa Atelier in Bedigliora hat sie von Annemie Bogaerts – sie war Januar bis März 2008 hier – gehört.

teja van hoften lebt mit ihrem Mann Marinus van Dijke in Holland / Zeeland nahe am Meer, gleich hinter den Dünen. Marinus ist auch Kunstschaffender.

teja van hoften hat sich zur Werklehrerin ausbilden lassen an einer Kunstakademie, wo abstrakt gearbeitet wurde im Sinne des Bauhauses. Anschliessende hat sie in einer Keramikwerkstatt gearbeitet. Sie hat sich auf Keramik spezialisiert und – im Gegensatz zur Ausbildung – zuerst realistisch gearbeitet, so realistisch wie möglich. Sie wollte Menschen gestalten, Portraits, Köpfe, ganze Menschen – Figuren und Szenen mit verschiedenen Figuren. Sie bekam das Angebot, eine Ausstellung zum machen in einer Galerie und hat sehr gut verkauft.

Mit der Zeit wurde es aber langweilig für teja, immer wieder realistische Menschenfiguren zu formen. Das ist typisch für sie; sie ist neugierig. Sie findet es spannend, Neues auszuprobieren, damit zu «spielen», zu experimentieren.

Bei den Menschen-Figuren hat sie mehr und mehr weggelassen: Sie hat z.B. nur noch eine Schulter geformt. Sie hat abstrakter gearbeitet mit Körpern, die dann manchmal wie Landschaften aussahen. Sie hat auch begonnen, Stücke aus der Natur in Ton zu formen.

Als dann der Arzt bei teja van hoften eine Krankheit diagnostizierte, obwohl sie sich gesund fühlte, begann sie sich neu mit dem Körper auseinanderzusetzen. Was ist da drin, wie sieht es aus? Sie studierte Anatomie-Bücher. Sie begann das Innere des Körpers zu erforschen: Atem, Blut-Zirkulation, Nerven,… Sie formte z.B. Blutgefässe aus Ton. Mit diesen Arbeiten hat sie sich für den Atelier-Aufenthalt hier beworben – Anna-Maria Bauer und Anna Barbara Züst, wir waren beide fasziniert von diesen Werken.

teja van hoften suchte Techniken und Methoden, mit denen sie die bewegten Strukturen im Körper darstellen kann. Sie wollte das, was fragil, vorübergehend ist im Körper, doch festhalten. In den Jahren 2000 - 2004 hat sie vier Buch-Publikationen gemacht dazu.

Hier in der Casa Atelier hat sie die «Lappen» (wie sie vom holländischen her sagt) bearbeitet; Seidenfahnen, auf denen Schatten ihres Körpers gedruckt sind, hat sie mit farbigem Garn bestickt. Sie sagt dazu: «Man kann nicht immer kreativ sein. Dazwischen habe ich gestickt. Manchmal war es etwas langweilig – und doch sind mir wieder neue Sachen ein- und aufgefallen».

teja van hoften hat in den drei Monaten hier zum ersten Mal mit textilem Material gearbeitet. Sie hat Stoffe und Decken mitgebracht und diese geformt nach der Innenstruktur von Knochen…oder auch zu einer Herbst-Installation mit farbigen Blättern.

teja van hoften hat jeden Abend hier an ihrem «Blog» gearbeitet, sie erzählt dort von ihren Wanderungen und von ihren Beobachtungen. Sie setzt Fotos dazu. Sie hat eine eigene Art zu schauen und eine Begabung, davon zu erzählen. Ich konnte das erleben, wenn wir – weinige Male – zusammen unterwegs waren. Der Blog ist in Holländisch geschrieben – schade, dass ich das nicht verstehe. Aber teja van hoften spricht wirklich gut deutsch. Sie hat auch ein wenig italienisch gelernt.

Gerne hat sie die Natur der Umgebung beobachtet und erlebt. Sie ist fasziniert von den Veränderungen in diesen drei Monaten: vom Grün, zu den Herbstfarben, zum Weiss des Schnees auf den Palmen, zum Nebel, der alle Hügel zum Verschwinden bringt.

teja van hoften liebt den Balkon der Casa Atelier: Mit nur einem Schritt ist sie in der Welt draussen, fühlt Wetter und Wind auf der Haut. Sie sagt, sie werde den Balkon vermissen, wenn sie bald wieder in Burgh in den Niederlanden ist.

 

Anna Barbara Züst, 18. Dezember 2010